04.11.2007. DIE FAHRT NACH WIESBADEN

Am Sonntag morgen noch vor sieben Uhr stand CK recht müde auf, eine von Flyer gebrannte Compilation von "Rush" hatte ihn aus dem Schlaf geholt. Zeit zum Anziehen. Wenig später verließ der Luxemburger das Haus und fuhr mit einem TICE-Bus nach Esch-sur-Alzette wo an diesem Tag ein Ersatzbus nach Luxembourg-City abfuhr. Auf der Zugstrecke zwischen Luxembourg und Esch fanden nämlich Arbeiten statt.

Kurz vor acht Uhr kam der besagte Bus am Bahnhof in Luxemburg-Stadt an und CK begab sich erstmal in den Warteraum. 10 Minuten vor Abfahrt des 8:24-Uhr-Zuges nach Koblenz begab er sich zurück zum Haupteingang und traf dort auf Lou, der gerade angekommen war. Zusammen wurde nun die Reise gen Wiesbaden angetreten. Die Zeit verging wie im Fluge, denn die beiden M-Blockler hatten sich viel zu erzählen und es wurden auch bereits Pläne geschmiedet, wohin es noch überall gemeinsam hingehen könnte, sei es mit Sechzig oder auch einfach als Groundhopper. Irgendwann bekam CK Hunger und so gingen die beiden Jungs erstmal ins Bordbistro frühstücken. CK genehmigte sich ein Rührei.

10:35 Uhr wurde Koblenz erreicht. Lou und CK verliessen den IC und fuhren nun mit dem 10:48-Uhr-ICE weiter nach Mainz. Im Bistro wurde gleich mal das erste Bier vertilgt und CK erzählte ein wenig über politische Theorien. 11:38 Uhr wurde Mainz erreicht, von wo aus es mit der S-Bahn nach Wiesbaden weitergehen sollte.

In besagter S-Bahn war auch der Löwenbomber. Jener hatte eine richtig geile Pelzjacke an, die sowohl einem König als auch einem Pornostar würdig gewesen wäre. CK sprach den Fanbeauftragten des TSV 1860 nach der Ankunft in Wiesbaden gleich mal auf Tickets an. Dabei erfuhr er, dass Petra wohl noch Karten zuviel hätte. Also rief CK sie gleich mal auf ihrem Handy an. Der Bomber sah sich derweil nach einem Bus Richtung Stadion um. Petra hatte in der Tat noch Karten zuviel und CK machte mit ihr aus, sich vorm Eingang zum Auswärtsblock zu treffen. Dorthin begaben sich Lou und CK nun inmitten anderer Löwenfans zu Fuß.

Die Brita-Arena ist ein Billigbau aus Stahlrohrtribünen, eine verkleinerte Version vom Mainzer Bruchweg im Grunde. Nicht sehr originell oder gar kreativ, sondern eher gesichtslos. Ein Allerweltsbau, wie es ihn wohl zigmal auf der Welt bereits gibt. Aber wie Lou richtig anmerkte- eine mögliche Variante auch für ein etwaiges neues Nationalstadion in Luxemburg. Schliesslich erfüllt das Ding mit einer Zuschauerkapazität von 12 066 Menschen durchaus seinen Zweck. Von aussen sah die Arena aufgrund der blauen Werbung mit den Flutlichtlampen allerdings wie ein Schwimmbad aus ;-)
Der SV Wehen spielt erst seit dieser Saison in der neuen Arena, der in der Wehener Fanszene keineswegs unumstrittene Umzug in die hessische Landeshauptstadt wurde vor allem aus finanziellen Gründen in Erwägung gezogen, erwartet der Klub sich doch hier neue, grössere Zuschauermassen als noch im Taunusstein. Es bleibt jedoch abzuwarten ob dieser neue SV Wehen-Wiesbaden langfristig hier etwas aufbauen kann oder ob der Verein schneller denn je wieder in der Bedeutungslosigkeit versinken wird. Das Spiel gegen die Löwen war übrigens erst das zweite Pflichtspiel des SV in Wiesbaden, wurden doch die ersten vier Saisonheimspiele in Frankfurt ausgetragen und das Pokalspiel in Mainz.

Vor dem Stadion trafen Lou und CK u.a. auf den Ludwigshafener, den Lippstädter, die Gegentri-Biene und auch auf Olli aus Koblenz, der heute zusammen mit einem Bekannten im Auto nach Wiesbaden aufgebrochen war. Es wurde viel gelabert und erzählt, während auf Petra gewartet wurde. Als die endlich ankam, kaufte CK ihr erstmal schnell zwei Karten ab und begab sich dann mit Lou und der Gegentri-Biene ins Stadion. Der erste Auswärtsblock war bereits überfüllt (darin stand wohl auch Sebastian aus Ludwigshafen), so dass die drei trotz Karten für diesen Block im kaum minder überfüllten Nebenblock Platz nehmen mussten. Sie standen dabei weit oben, teilweise auf den Treppen, die während des Spiels nicht freiblieben, wenngleich sich Ordner anschickten die Treppe mit ihrer Präsenz zu "markieren". Olli war auch entschwunden und sollte im Laufe des Tages leider nicht mehr gesehen werden.

Die Stimmung im Löwenblock war egtl. recht gut, CK hatte schon weitaus schlechteren Support erlebt. Immer wieder wurden bekannte Lieder angestimmt, sogar "Löwenmut" von Lustfinger wurde lautstark chantiert. Auch Anti-Wehen-Gesänge waren zu hören. "Ihr seid die Huren der Eintracht !" und "Hurra, das ganze Dorf ist da !" Ganz nett ! Auch Lou fand die Stimmung okay und supportete brav mit.

Zum Spiel: Beide Teams standen zu Beginn sehr kompakt, so dass es lediglich bei Standards gefährlich wurde. Die erste Chance besaßen die Löwen in der 10. Minute per Freistoss, nachdem Berkant Göktan 25 Meter vor dem Wehener Tor gefoult worden war. Danny Schwarz lief an, sein Vollspannsschuss über die Mauer streifte aber knapp übers rechte Kreuzeck. Glück hatten die Sechziger vier Minuten später. Ronny König setzte sich im Zweikampf auf der rechten Strafraumseite gegen Torben Hoffmann durch, der mit der Fußspitze noch an den Ball kam, ihn aber Richtung zweiten Pfosten verlängerte, wo Wehens Angreifer Bakary Diakité aus fünf Metern freistehend das Leder neben das Tor grätschte (14.). Insgesamt standen die Löwen bei Standards der Hessen bis zur 31. Minute sicher, dann konnten sie das Leder im Anschluss an eine Ecke nicht klären, König kam aus neun Metern zum Schuss, setzte den Ball aber links neben das Tor von Michael Hofmann. Uff, durchatmen ! Im Anschluss an die vierte Wehener Ecke war es erneut König, der gegen Hoffmann und Thorandt zu einem Drehschuss aus 13 Metern kam, das Leder ging aber über das 1860-Gehäuse (36.). Eine Minute später versagte Schiedsrichter Guido Winkmann den Löwen einen klaren Elfmeter. Timo Gebhart hatte im Strafraum Marko Kopilas ausgespielt, lief alleine auf Torhüter Thomas Richter zu, als Dajan Simac ihn kurz vorm Torraum von hinten umgrätschte, doch der Pfiff blieb aus (37.). Erneut eine strittige Szene in der 39. Minute. Nach einem Zuckerpass von Gebhart lief Antonio Di Salvo alleine aufs Tor, traf von der Strafraumgrenze ins Wehener Netz. Doch der Linienrichter hatte die Fahne wegen angeblicher Abseitsposition des Torjägers gehoben (39.). Im direkten Gegenzug kam Maximilian Nicu über die linke Seite, konnte sich gegen Thorandt durchsetzen, steuerte alleine auf Hofmann zu, setzte aber seinen Neun-Meter-Schuss aus spitzem Winkel am langen Eck vorbei (39.). So gingen beide Teams ohne Treffer in die Pause.

Der Sekunden-Zeiger hatte noch keine zwei Umdrehungen absolviert, da besaßen die Löwen eine Riesenchance. Di Salvo flankte von der linken Seite auf den zweiten Pfosten, wo Danny Schwarz am rechten Torraumeck den Ball stoppte, sein Schuss aber konnte Kristjan Glibo im letzten Moment noch abblocken (47.). In der 51. Minute versuchte es Catic mit einem 25-Meter-Schuss aus zentraler Position, Löwen-Keeper Hofmann tauchte in die Ecke ab, fing das Leder sicher. Drei Minuten später brannte es lichterloh im Löwen-Strafraum. Catic hatte aus zentraler Position den Ball über die Abwehr hoch an den linken Pfosten geschlagen, Ales Kokot rutschte in das Leder, Hofmann war aber zur Stelle und konnte abwehren. Die Chance war aber noch nicht vorbei. Der Ball kam erneut auf die linke Angriffsseite der Wehener, wo Diakité volley aus 13 Metern draufhielt, sein Schuss aus spitzem Winkel konnte Löwen-Keeper Hofmann mit einer Hand per Reflex gerade noch an den Pfosten lenken (54.). In dieser Phase hatten die Sechziger viel Glück, nicht in Rückstand zu geraten. Beinahe wäre ihnen aber in diese Drangphase der Wehener die Führung gelungen. Als nach einem Steilpaß SVWW-Verteidiger Dajan Simac den Ball zurück zu seinem Torhüter passen wollte, sprintete Di Salvo dazwischen, doch Keeper Richter kam ihm entgegen, konnte den Schuss des Italieners abwehren (63.). In der 77. Minute trugen die Wehener einen mustergültigen Konter über die rechte Seite vor. Der eingewechselte Valentine Atem flankte fast von der Außenlinie hoch Richtung linke Strafraumseite, wo es Benjamin Siegert mit einem Direktschuss aus zwölf Metern versuchte, aber das Leder landete neben dem langen Eck im Toraus. Aber auch die Löwen besaßen in einer kampfbetonten Schlussphase Möglichkeiten. Berkant Göktan dribbelte durch den Strafraum, legte zurück auf den heranstürmenden Sven Bender, der aus 20 Metern mit dem Vollspann abzog. Der Ball strich knapp über die Querlatte des SVWW-Tores (84.). Danach passierte nicht mehr viel, obwohl beide Teams bis zum Schluss auf den Siegtreffer drängten. Es blieb also bei einem 0-0 der durchaus besseren Sorte.

Nach dem Spiel waren die üblichen Verdächtigen wohl alle recht schnell verschwunden, denn CK sah keinen mehr. Er genehmigte sich jetzt erstmal ne Bratwurst und begab sich dann mit Lou und der Gegentri-Biene in die Stadt. Unterwegs gab es so einiges zu lachen, besonders über die Personalausweise, die sich die drei gegenseitig zeigten. Beim Gang durch die Stadt kamen sie an einer laufenden Schuldenanzeige vorbei. Jaja, die deutsche Staatsschuld, sie wächst und wächst. Pro Sekunde ca. 2000 Euro neue Schulden. Wahnsinn ! CK verkniff sich jedoch die Bemerkung, dass diese Schuldenzahl vielleicht mal aufhören würde zu wachsen, wenn der Zinssatz gegen 0 oder sogar darunter fallen würde. Heute war nicht der Tag für Wirtschaftspolitik.

Wiesbaden ist sonntags ne richtig tote Stadt irgendwie, aber irgendwann fanden die drei Helden dann doch noch ein leicht gediegenes Lokal mit Terrasse, die dank Heizstrahlern auch im kalten November genutzt werden konnte. Lou, CK und die Gegentri-Biene tranken dort jeweils zwei grosse 0,5er Äbbelwoi. Es wurde viel zusammen gelacht und viel gelabert. Irgendwann war jedoch Zeit aufzubrechen. CK begab sich zum Bezahlen ins Lokal. Dort wurde er vom Wirt auf die AllianzArena angesprochen. "Ihr wollt da angeblich raus, wieso das denn ?" fragte er. CK erklärte ihm, dass viele Fans dort nicht gerne hingehen würden, da es das Bayernstadion sei. Ausserdem sei das Stadion finanziell betrachtet einfach mindestens eine Nummer zu groß für Sechzig, vor allem wegen der aus Löwensicht völlig unnötigen Business Seats. Der Mann meinte dann noch, dass es ihm so vorkäme, als würde es seit Wildmosers Weggang beim TSV 1860 den Bach runtergehen. Dagegen wehrte sich CK entrüstet. "Der KHW hat uns doch erst diese Arenascheisse, die vielen Schulden und auch den Abstieg damals eingebrockt !" Der Wirt wechselte schnell das Thema und meinte, ihm hätte der alte, graue Trainer früher sehr gut gefallen. "Ach, Werner Lorant" meinte CK, "ja, den fand ich auch immer recht cool." Danach bat CK den Wirt den drei Löwen ein Taxi zu rufen, da sie zum Bahnhof aufbrechen mussten um noch ihre S-Bahn nach Mainz zu erwischen.

Doch es kam wie es kommen musste. Trotz einer gasgebenden Taxifahrerin wurde der Wiesbadener Bahnhof erst um 18:50 Uhr erreicht. Genau um diese Uhrzeit fuhr die S-Bahn jedoch bereits ab. CK und Lou entschieden sich spontan dazu, mit dem Taxi nach Mainz zu fahren. Die Gegentri-Biene entschloß sich dazu mitzukommen, sie musste aber erst noch ihren Rucksack aus einem Schliessfach holen. Die Taxifahrerin meinte, sie würde dann so lange warten, aber das Bienchen sollte sich beeilen. Das tat sie dann auch und kurze Zeit später ging die Taxifahrt weiter. Die Fahrerin erwies sich als recht lustig, schwärmte unverständlicherweise von der neuen Brita-Arena, plauderte mit dem Bienchen über das alte, kleine Wehener Stadion und schaltete sich auch gerne in interne Fangespräche ein. Kurz bevor Mainz erreicht wurde, stellte die Gegentri-Biene leider fest, dass sie wohl lieber mit der S-Bahn nach Frankfurt gefahren wäre. Das wäre verbindungstechnisch klüger gewesen. Zu allem Überdruß verpasste sie dann auch noch den Anschluß in Mainz. Naja shit happens. Es war ja eh nur der Rucksack schuld an Allem :-))) Trotzdem: nächstes Mal wird wohl lieber Frankfurt-Sachsenhausen unsicher gemacht als Wiesbaden, in Frankfurt gibt es halt auch noch viel schönere Locations zum Klönen und Äbbelwoi saufen.

Während die arme Gegentri-Biene nun gut eine Stunde auf ihren nächsten Zug warten musste, traten Lou und CK im 19:20-Uhr-ICE die Fahrt nach Koblenz an. Sie verbrachten diese Fahrt im Bordrestaurant wo die üblichen Rostbratwürstchen vertilgt wurden und es auch Bier gab. Ab Koblenz ging es dann in einem RE nach Trier. Auf dieser Fahrt döste CK bereits und verfiel einem angenehmen Halbschlaf. Trotz Verspätung dieses Zuges gelang es unseren beiden Protagonisten noch, den Anschlusszug nach Luxembourg zu erreichen. Jener hatte wohl glücklicherweise gewartet und fuhr erst später ab. Lou war darüber fast ein wenig enttäuscht, denn er hatte sich eigentlich schon darauf eingestellt, nun in Trier erstmal einen Döner verspeisen und noch eine Kneipe aufsuchen zu können, bevor der nächste Zug in die Heimat bereit stünde. So kamen die beiden M-Blocker aber doch noch vor elf Uhr wieder in der Hauptstadt an. Während Lou von seiner Mutter abgeholt wurde, fuhr CK mit dem Ersatzbus nach Esch-sur-Alzette und von dort mit einem Linienbus heim nach Hause.

Fazit des Tages: sehr lustiger Sonntag ! Es kann gerne noch viele weitere Sonntage dieser Art mit dem TSV 1860 geben.
In diesem Sinne: bis zum nächsten Mal, liebe Leser, gez. euer CK.

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