18.-21.06.2023. DIE FAHRT NACH BOSNIEN-HERZEGOWINA

Am Sonntag gegen halb drei holte Sandra CK auf dem Belval ab. Zusammen ging es im Auto nach Bonneweg zu Guy B. Zu dritt wurde entschieden, auf ein, zwei Kaltgetränke ins Craftcorner einzukehren. Zu CKs Enttäuschung gibt es dieses jedoch nicht mehr in der bekannten Form. Das frühere Bierparadies wurde durch ein brasilianisches Café ersetzt. Ein Hoegaarden konnte jedoch bestellt werden.

Gegen 16 Uhr ging es zum Flughafen. Geparkt wurde in der dortigen Tiefgarage. Preis am Ende der Reise übrigens 69 Euro. Geteilt durch drei ein annehmbarer Preis. Vor dem Haupteingang war Toto am Rauchen. Guy und Sandra begaben sich nach drinnen um einzuchecken und ihr Gepäck aufzugeben. CK hatte nur Handgepäck in Form seines Löwenrucksacks dabei, er und Toto hatten zudem bereits online eingecheckt. Irgendwann ging es durch die Handgepäckkontrolle hindurch zum Gate. Fränk H. von den Compadres Tridefa war bereits anwesend und gesellte sich zu unserer Reisegruppe.

17:40 Uhr ging es mit einem Flug der Luxair nach Wien. In Wien angekommen, traf Sandra auf Marco, einen alten Bekannten ihrerseits. Mit ihm wurden ein paar Worte gewechselt. Im Anschluss wurde nach einem Raucherraum gesucht. Solche sollten sich bei den G-Gates befinden, wo man ohnehin hin musste. Während Sandra und Toto ihre Nikotinsucht befriedigten, tranken Guy, Fränk und CK durchaus genießbares Ottakringer Bier an einem Laden. Nach zehn Uhr ging es mit der Austrian Airlines weiter nach Sarajevo. CK hatte sein "Ich bin ein Löwe. Holt mich hier raus"-T-Shirt mit der roten ArroganzArena und einem Löwenkopf an. Ein junger Flugbegleiter sprach ihn darauf an und meinte "Schönes T-Shirt!" CK antwortete: "Danke. Die rote Arena ist ja gottseidank Geschichte. Sind raus da."- "Ja, gottseidank. Freue mich immer, wenn ich in Giesing bin."-"Ja, ist ja viel schöner dort als in Fröttmaning" ;-) Später beim Aussteigen aus dem Flugzeug erfuhr CK, dass der Flugbegleiter Klaus heißt, eigentlich Fan von Blau-Weiß Linz ist, aber ca. dreimal im Jahr auch nach Giesing zum TSV 1860 fährt. CK erzählte ihm, dass er aus Luxemburg kommt und mit Fans anderer Vereine zum Länderspiel gegen Bosnien unterwegs ist, aber eben auch Mitglied in einem Luxemburger 1860fanclub ist, der sowohl zu Auswärtsspielen in der Nähe als auch ab und zu zu Heimspielen nach München fährt. Wer weiß, vielleicht sieht man sich ja irgendwann wieder!

In Sarajevo am Flughafen wartete bereits ein übers Hotel bestellter Fahrer auf die Reisegruppe Luxemburg. Obwohl das Auto nur Platz für fünf Personen hatte, wurde beschlossen, auch Fränk mit in die Innenstadt zu nehmen. Sein eigenes Hotel befand sich nicht weit weg vom Hotel der Anderen. So nahmen Guy, CK und Fränk auf der Rückbank Platz, Toto auf dem Beifahrersitz. Und Sandra? Legte sich einfach über die drei Jungs auf der Rückbank und so wurde, glücklicherweise ohne von der Polizei unterwegs erwischt zu werden, das VIP Hotel angesteuert. Dort trennten sich unsere Protagonisten von Fränk (der, wohl auch wegen des üppig gegebenen Trinkgeldes, noch vom Fahrer zu seinem eigenen Hotel gebracht wurde) und checkten ein. Die Zimmer waren sehr hübsch, mit großem Doppelbett und schönem Badezimmer ausgestattet. Sehr sauber und komfortabel. Sandra hatte sogar einen Balkon zum Rauchen.

In der Nacht ging es noch schnell in eine Bäckerei in der Nähe, wo CK ein fast schon kaltes Stück Pizza verspeisen konnte. Während Toto sich zurück ins Hotel begab, suchten die anderen drei noch nach einem Pub und landeten in der City Lounge, wo neben der bosnischen Flagge auch eine amerikanische hängt und an der Decke sogar die Gadsdenflagge (eine bekannte Flagge der amerikanischen Revolution) aufgemalt ist. Schon vor dem Betreten der Lounge hatte Sandra ein kroatisch-ruandisches Paar auf der Straße angesprochen. Jene waren wegen einer Bar Mitzwa-Feier zu Besuch bei Freunden in Sarajevo. Mit ihnen wurde noch über Kroatien, Ruanda, Luxemburg, Fußball und vieles mehr gequatscht. Die sympathische Ruanderin gab sogar alle Getränke aus, wobei es bei einem Getränk für jeden blieb. Nach ein Uhr schloss der Laden und es ging für alle ins Bett.

Das Frühstücksbuffet im VIP ist eher klein, aber doch reichhaltig genug um jedem Gast einen guten Start in den Morgen zu ermöglichen. So auch unseren Protagonisten. Gegen zehn Uhr ging es am Montag zur Herz-Jesu-Kathedrale. Hier startete eine Free Walking Tour von Spirit Tours. Eine solche Tour hat keinen festen Preis, sondern jeder Teilnehmer kann am Ende der Tour so viel Trinkgeld geben wie er möchte. Sarajevo hat eine interessante Geschichte vom Osmanischen Reich über die Zeit Österreich-Ungarns und Jugoslawiens bis hin zum traurigen Bosnienkrieg und der daraus resultierenden heutigen Situation. Nicht zu Unrecht wird die Stadt auch "das europäische Jerusalem" genannt. Der Reiseführer machte seine Sache (auf englisch) recht gut und führte die Gruppe vor allem durch die historische Altstadt, zur ältesten Synagoge Sarajevos, zur Gazi-Husrev-Beg-Moschee, benannt nach einem Bey des 16ten Jahrhunderts, der zur Zeiten des Osmanischen Reiches hier vieles erbauen ließ, auch den Uhrturm (der die Mondzeit anzeigt), über den Basar zum ehemaligen Rathaus und heutiger Nationalbibliothek am Miljacka-Fluss. Für den Bau besagten Rathauses musste ein Haus weichen, dass auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses originalgetreu wieder aufgebaut worden ist. Zum Unmut des Hausbesitzers seinerzeit leider nicht spiegelverkehrt, so dass er nach dem Wiederaufbau nicht mehr die Sicht auf den Fluss genießen konnte. Es ging weiter zum Ort des Attentats am österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand am 28ten Juni 1914 durch den bosnisch-serbischen Nationalisten Gavrilo Princip. Die Folgen dieses Attentats mündeten bekannter Weise in den Ersten Weltkrieg. Ebenso wurden die Mariä-Geburt-Kathedrale und der angrenzende Stadtpark besichtigt. Hier stehen zwei Büsten von Mesa Selimovic (einem jugoslawischen Autor) und Skender Kulenovic, einem in Bosnien geborenen jugoslawischen Autor und Poeten sowie das Monument zum multikulturellen Mann. Am Markt fielen CK zum ersten Mal auf dem Boden gemalte Blutspritzer auf. Diese markieren über die ganze Stadt verteilt Einschlagorte von Mörsergranaten während der Belagerung Sarajevos im Bosnienkrieg.

Nach der Tour kamen unsere Helden am Sitz der Agentur noch ein wenig mit Emina ins Gespräch. Eine Frau Anfang Vierzig, die im Bosnienkrieg englisch und arabisch auf der Straße lernte, von UN-Soldaten Essen bekam und ihre Splitterwunden versorgen ließ. Sie erzählte von traumatischen Kriegserfahrungen und gab Politikern die Schuld am Leiden der Zivilbevölkerung. Ihr Vater diente in der bosnischen Armee. Bosniens Bevölkerung besteht heute aus ca. 51% Muslimen, 31% orthodoxen Christen, 15% Katholiken und 3% anderen Religionsgruppen sowie Atheisten und Agnostikern. Laut Emina waren es keine religiösen Differenzen, die zum Bürgerkrieg führten, sondern allein politisch-territoriale. Religion wurde nur missbraucht um Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufzuhetzen. Kriegsverbrechen wurden von allen Seiten begangen, besonders aber von Serben, die verantwortlich für das Massaker von Srebrenica waren, bei dem es sich laut dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien um einen Genozid handelt. Nicht alle (bosnischen) Serben kämpften jedoch auf serbischer Seite, es gab auch durchaus Serben wie Jovan Divjak, die in der bosnischen Armee dienten. Das Land Bosnien-Herzegowina besteht geografisch aus der Region Bosnien im Norden – die rund 80 Prozent des Staatsgebiets einnimmt – und der kleineren Region Herzegowina im Süden. Politische Teilgebiete des Bundesstaates sind die (mehrheitlich von muslimischen Bosniaken und bosnischen Kroaten bevölkerte) Föderation Bosnien und Herzegowina, die (mehrheitlich von Serben bewohnte) Republika Srpska sowie der Brčko-Distrikt als Sonderverwaltungsgebiet. Das Land hat ein sehr komplexes politisches System. Als Staatsoberhaupt fungiert ein Staatspräsidium, bestehend aus jeweils einem Vertreter der kroatischen Bosnier, der muslimischen Bosnier sowie der serbischen Bosnier. Dabei wird der bosnisch-serbische Kandidat auf dem Territorium der Republika Srpska, die beiden anderen auf dem Territorium der Föderation Bosnien und Herzegowina gewählt. Der Vorsitz rotiert alle 8 Monate. Die internationale Gemeinschaft hat zusätzlich 1995 das Amt des Hohen UN-Repräsentanten (OHR) eingeführt, um den Friedens– und Demokratisierungsprozess zu begleiten. Offiziell soll der Amtsinhaber darüber wachen, dass das Friedensabkommen von Dayton umgesetzt wird und den Brčko-Distrikt repräsentieren, in der Praxis hat er jedoch starke Vetorechte und somit entscheidenden Einfluss auf die bosnische Politik. Aktuell bekleidet Christian Schmidt von der CSU diesen Posten. Viele Bosnier beklagen die mangelnde nationale Souveränität ihres Landes und verlangen demokratische Verfassungsreformen. Auf einer Podiumsdiskussion an der Uni Luxemburg Tage später verglich Professor Emir Suljagić dieses System mit dem britischen Raj in Indien und geißelte Bosnien-Herzegowina als "letzte Kolonie" Europas. Aufgrund der immer noch vorherrschenden ethnischen Spannungen und politischen Differenzen wäre ein Reformierungsversuch aber wohl ein sehr schwieriges Unterfangen über viele Jahre hinweg. Angesichts des dysfunktionalen politischen Systems, schlechter wirtschaftlicher Aussichten und hoher Arbeitslosigkeit emigrieren vor allem junge Menschen. Emina hatte lange Zeit die Hoffnung, die EU würde Bosnien-Herzegowina aufnehmen, diese Hoffnung hat sie jedoch inzwischen aufgegeben. Sie hofft jedoch weiterhin darauf, dass alle Seiten ihre Verbrechen eines Tages eingestehen und echte Versöhnung, auch auf politischer Ebene, möglich werden kann. Privat hat sie ihren Peinigern verziehen und unterhält heute gute Beziehungen zu Freunden aller Bevölkerungsgruppen.

In Sarajevo gibt es viel Museen über Verbrechen gegen die Menschheit, das Massaker von Srebrenica, die Belagerung der Stadt, den Krieg und die Geschichte Bosniens allgemein. Leider fehlte die Zeit um auch nur ein einziges Museum besichtigen zu können. Toto begab sich in der Mittagspause in die Altstadt, während unsere drei anderen Protagonisten im Tesla Pub landeten. Dieses Pub ist nach Nikola Tesla benannt, der mit einer Glühbirne in der Hand vor dem Eingang sitzt. Guy und CK tranken zwei Bier gegen die Mittagshitze, für Sandra gab es zudem einen Salat. Am Nachmittag ging es mit einem noch recht jungen Reiseführer namens Omar in einem Transporter zum "Tunnel der Hoffnung". Hierbei handelt es sich um einen 800m langen Verbindungstunnel zwischen dem durch serbische Streitkräfte belagerten bosnisch-kroatischen Teil der bosnischen Hauptstadt Sarajevo und einer angrenzenden Vorortgemeinde, die nicht belagert war. Er diente ab Mitte 1993 sowohl zur Flucht aus als auch zur Versorgung der belagerten Stadt und verlief unter der Start- und Landebahn des Flughafens Sarajevo. Diese befand sich zwar in einer UN-Schutzzone, serbische Scharfschützen machten ein Überqueren jedoch fast unmöglich. Die Belagerung Sarajevos dauerte 1 425 Tage und war somit die längste Belagerung einer Stadt im 20. Jahrhundert. Die Luftbrücke, die zur Versorgung von Hunderttausenden eingeschlossenen Menschen aufrecht erhalten wurde, dauerte länger als die Berliner Luftbrücke. Während der Belagerung wurden nach Schätzungen etwa 11.000 Menschen (darunter 1.600 Kinder) getötet und 56.000, teilweise schwer, verletzt. Der Tunnel ist heute geschlossen, jedoch können die ersten 20 Meter noch besichtigt werden. Aufgrund der Höhe (1,5m) muss man gebückt hindurch gehen. Anfangs musste im Tunnel alles auf dem Rücken getragen oder mit den Händen transportiert werden. Es wurden Nahrungsmittel, Zigaretten, Öl, Munition, Waffen, Medikamente, Verwundete und vieles mehr transportiert. Nach Fertigstellung einer Schienenverbindung wurden kleine Karren gebaut, die den Transport erheblich vereinfachten. Jeder Karren beförderte ein Gewicht von 200 bis 300 kg. Das eintretende Grundwasser und unzureichende Pumpen führten dazu, dass die Leute oft in knietiefem Wasser gehen mussten. Zweimal war der Tunnel bis zur Decke überflutet, daher wurden größere Pumpen eingebaut und so das Problem gelöst. Der Tunnel konnte nur im Einbahnsystem genutzt werden. Menschengruppen zwischen 20 und 1.000 Personen liefen durch den Tunnel, wobei jeder noch etwa 50 kg Nahrungsmittel mit sich schleppte. Die Wegzeit für größere Gruppen lag bei bis zu zwei Stunden, im Durchschnitt nutzten 4.000 Menschen pro Tag den Tunnel. Aufgrund des permanenten Beschusses durch die Serben und der Gefahr durch die Scharfschützen wurde der Materialtransport in der Nacht durchgeführt und so pro Nacht etwa 20 Tonnen transportiert. Da in Sarajevo Treibstoffmangel herrschte, wurde eine Pipeline in den Tunnel eingebaut. Weiter wurden ein Telefonkabel und ein 12-Megawatt-Starkstromkabel eingezogen. Nach der Installation der Pipeline und der Kabel war die Benutzung des Tunnels sehr gefährlich. Die Leute mussten zum Teil bei Hochwasser im Tunnel mit einem Starkstromkabel auf der einen Seite und einer Pipeline auf der anderen Seite gehen. Heute gibt einen kleinen Dokumentarfilm zu sehen ebenso wie selbstangefertigte Waffen der Bosnier, Objekte aus der Tunnelzeit, UN-Material sowie eine Gedenktafel für die Opfer der Belagerung Sarajevos und internationale Pressemitteilungen über den Tunnel (nach Kriegsende.)

1984 war Sarajevo noch Austragungsort der Olympischen Winterspiele. Eigentlich wollte unsere Reisegruppe zunächst die Überreste der Bobbahnen besuchen, doch dazu reichte am Ende die Zeit nicht mehr, da man lieber auf ein paar Kaltgetränke auf einer Terrasse eines Hotels einkehrte. Downhill den Berg hinab, konnte man später jedoch nicht nur die wunderbare Aussicht über Sarajevo genießen, sondern auch die Stellungen der serbischen Scharfschützen begutachten, darunter einen alten jüdischen Friedhof. Mancherorts waren auch aufgemalte serbische Fahnen zu sehen. Aus bosnischer Sicht begann der Krieg offiziell am 5. April 1992, als Heckenschützen auf eine Demonstrantenmenge auf der Vrbanja-Brücke schossen und dabei zwei Frauen töteten. Diese Brücke wurde am Ende der Tour noch überquert. "The first victims of the war were killed here", so Omar. Von serbischer Seite wird jedoch der 1. März 1992 als Beginn der Kämpfe in Sarajevo genannt. An diesem Tag schoss ein bosnischer Soldat auf eine Hochzeitsgesellschaft im historischen Stadtteil Baščaršija, tötete einen 55-jährigen Serben und verletzte einen Priester. Jede Kriegsseite hat halt ihr eigenes historisches Narrativ. Omar ließ die Reisegruppe an der Agentur wieder aus dem Transporter. Zu Fuß ging es nun zum "ewigen Feuer", dem Denkmal für die Gefallenen des zweiten Weltkriegs. Apropos zweiter Weltkrieg: die Nazis und ihr kroatischer Vasallenstaat der Ustachas (auf dem Gebiet der heutigen Staaten Kroatien und Bosnien-Herzegowina) verübten zahlreiche Verbrechen, insbesondere an Roma, Serben und Juden. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es etwa 14 000 Juden in Bosnien und Herzegowina, davon allein 10 000 in Sarajevo, was etwa zehn Prozent der Stadtbevölkerung ausmachte. Leider wurden genauso viele umgebracht und nach Kriegsende flüchteten viele Überlebende nach Israel.

Toto begab sich ins Hotel zurück. Guy, Sandra und CK kehrten ins Celtic Pub ein. Fürs Abendessen später wurde sich ebenfalls aufgeteilt. Während Guy und Sandra im Steakhouse landeten (einem der wenigen Orte in der Altstadt, in dem es Bier gab), landeten Toto und CK im Željo 3, einem Laden zu Ehren des Fußballklubs FK Željezničar Sarajevo, dem Stadtrivalen von FK Sarajevo. Hier gab es sehr leckere Cevapcici. Ein Genuss für den Gaumen :-) Nach dem leckeren Abendessen begaben sich Toto und CK in den Park. Hier wurde Schach von Einheimischen gespielt. Eigentlich wollte man den Spielern eine Partie anbieten, doch irgendwann kam es zum Streit zwischen einem ziemlich besoffenen Obdachlosen und einem anderen Parkgast und Letzterer schlug Ersterem mit einem Stock ins Gesicht. Der Besoffene stand regungslos da und blickte auf den Boden hinab. Zunächst fiel es beiden Luxemburgern gar nicht auf, aber dann schaute CK auf einen weißen (bereits geschlagenen) Bauern am Spielfeldrand hinab, der sich zunehmend rot färbte. Der Mann blutete stark. Platzwunde halt. So hauten unsere Helden lieber ab. Fairerweise muss hier jedoch angemerkt werden, dass man auf der ganzen Reise sonst nur freundliche, nette Bosnier traf und auch beim Fußball nicht mit Gewalt konfrontiert wurde. Während Toto sich in der Folge in sein Hotelzimmer begab, trafen Guy, Sandra und CK sich noch auf ein Bier beim Café Central. In der gegenüberliegenden Kneipe lief das Länderspiel Frankreich-Griechenland, was die Hausherren knapp mit 1-0 gewannen. Nach nur einem Bier wurde entschieden nochmal ins Celtic Pub aufzubrechen. Unterwegs ging es noch einmal durch den Stadtpark, da Sandra sich Sorgen um den Verletzten machte. Jener saß auf einer Parkbank neben dem Schachspielfeld, blutete jedoch nicht mehr. Soweit also alles okay. Im Celtic Pub waren andere Luxemburger anwesend, darunter Fränk (der einen Tagesausflug nach Mostar gemacht hatte), Batty, Joey, Bob und ein Kumpel von ihm. Bei Bier und Cider klang der Abend feucht-fröhlich aus.

Am Dienstag nach dem Frühstück begaben sich Guy und Sandra auf eine Shoppingtour. Vor allem Schuhe sollten wohl eingekauft werden. Toto und CK begaben sich ihrerseits in die Altstadt, wo CK bei einem Straßenhändler für nur 20 Euro ein bosnisches Trikot (11, Edin Dzeko) für den diesmal zuhause gebliebenen David einkaufte. In Sarajevo kann eigentlich überall mit Euro bezahlt werden, manchmal bekommt man jedoch einheimische KM (konvertible Mark) als Wechselgeld zurück. Toto kaufte an einem Stand das legendäre Sara-Jevo-Trikot in Coca-Cola-Design.

Im Stadtpark wurde wieder Schach gespielt. Der vollgeblutete Bauer wurde mit Wasser gereinigt. Toto besorgte leckeren Granatapfelsaft an einem Stand. Diesmal ergab sich eine Partie mit einem Einheimischen. Leider wurde diese kläglich verloren, weil CK am Anfang einfach nur unglaublich schlecht spielte, Toto konnte später immerhin noch Schadensbegrenzung betreiben. Aber das Fußballspiel am Abend war ja eh wichtiger. Der fließend englisch sprechende Gegenspieler hatte sofort verstanden, dass die Luxemburger wegen dem Fußballspiel am Abend in Bosnien waren und gab ihnen den Tipp, rechtzeitig anzureisen.

Gegen ein Uhr kam Emina mit ihrem Auto zum VIP Hotel und holte die Luxemburger Reisegruppe ab. Zunächst ging es zur Pyramide der Sonne. Bei den sogenannten Bosnischen Pyramiden handelt es sich um eine Behauptung des amerikanisch-bosnischen Bauunternehmers und Esoterikers Semir Osmanagić, unweit der Stadt Visoko befänden sich mehrere menschengemachte Pyramiden, für die er ein Alter von rund 12 000-30 000 Jahren annimmt. Der Berg Visočica sei in Wahrheit die "Pyramide der Sonne" und als solche die erste ihrer Art in Europa. Die Plješevica sei die "Pyramide des Mondes". Außerdem befinde sich in der Nähe eine dritte Pyramide, die „Pyramide des Bosnischen Drachen“. Osmanagićs Aussagen werden von Geologen, Geschichtswissenschaftlern und Archäologen, soweit sie überhaupt rezipiert werden, einhellig abgelehnt. Dennoch zieht die "Pyramide der Sonne" jedes Jahr tausende Besucher an und die Bosnier selbst lieben die Theorien des "Indiana Jones"-Verschnitts. Selbstverständlich ist die Pyramide keine solche, sondern ein natürlich entstandener Berg, der aus einer bestimmten Perspektive halt pyramidenförmig ausschaut. Richtig ist aber auch dass inmitten dieses Berges bei Ausgrabungen alte Tunnel, seltsame Keramiksteine und Runenaufschriften gefunden worden sind, sowie ein See. Der See muss wohl mindestens einen Zufluss haben, denn wird Wasser aus dem See entnommen, fließt welches nach. Das wird von einigen Menschen auch als seltsam betrachtet, kann aber wohl vermutlich einfach mit Druckverhältnissen erklärt werden. Eine Tunnelbesichtigung kostete 20KM. Viele Menschen kommen hierhin zum Meditieren. Kranke Menschen hoffen ihrerseits auf Wunderheilung. Ein Mekka für New Age Esoteriker! Katzen hassen die Tunnel, während die großen Steine Hunde zum Dösen einladen. Jeder Gast wurde aufgefordert seine ausgestreckten Hände langsam über einen Stein zu bewegen. Manche verspürten daraufhin ein leichtes elektrisches Kribbeln. Was auch immer hier vor sich geht: es gibt auf jeden Fall eine wissenschaftliche Erklärung dafür! Wenig wissenschaftlich ist allerdings das Gerede von "gespeicherter Information im Wasser", die Homöopathie lässt grüßen... Das Wasser aus dem Bergsee wird entsprechend teuer verkauft. Angeblich kann man auch nur wenige Tropfen dieses Wassers in normales Leitungswasser tun und somit die Struktur des gesamten Wassers verändern, *lach*. Auf einer Runenaufschrift steht angeblich irgendetwas von einem kosmischen Portal, was irgendwann sich wieder öffnen soll, jetzt aber geschlossen sei. Hat da jemand zuviel Stargate gekuckt? Manche Gäste versuchen heimlich Teile der Steine zu entfernen und mitzunehmen, was selbst die Touristenführer zum Kopfschütteln bringt und zu einem Rucksackverbot geführt hat. Sandra kaufte nach der kleinen Tunneltour eine Flasche Wasser und witzelte herum, dass sie nun etliche Jahre jünger werden würde.

Nach dem Ausflug zu den "Pyramiden" ging es nach Zenica, wo Enima die Luxemburger Reisegruppe am Hotel City Code heraus ließ und sich bis tags darauf verabschiedete. Unsere Protagonisten checkten in ihre jeweiligen Zimmer ein und waren erneut begeistert von Guys Wahl. Sehr große Zimmer mit modernem Badezimmer. Wenig später checkte auch der per Bus angereiste Fränk im selben Hotel ein. Zu Fuß ging es in der Folge für unsere vier Helden in die Innenstadt. Viel gibt es in der Industriestadt Zenica jedoch nicht zu sehen. CK aß leckeres Pljeskavica auf der Terrasse einer Imbissbude. Dieses wird meist traditionell aus mindestens zwei Fleischsorten hergestellt. Für Toto gab es einen Burger. Guy und Sandra wollten eigentlich zu einem bestimmten Restaurant hingehen, fanden dies jedoch nicht und landeten auf der Terrasse eines anderen Ladens, wo sie allerdings ewig auf ihr Essen warten mussten. Toto und CK tranken dort noch ein Kaltgetränk mit ihnen, brachen dann aber zum Stadion auf.

Am Stadion war schon einiges los. Straßenverkäufer verkauften Getränke und Fanutensilien. Die bosnischen Ultras kamen im Fanmarsch über eine Brücke und waren schon richtig heißblütig. Das Stadion Bilino Polje, Heimat des NK Čelik Zenica, liegt mitten in einem Wohngebiet, umgeben von großen Appartementhäusern, aber auch von jeder Menge Kneipen, wo ordentlich die Post abging. So muss das sein! Stadien gehören für den Autor dieses Berichtes einfach mitten ins urbane Leben hinein. Die Zukunft sollen ja Städte sein, wo man quasi alles zu Fuß innerhalb von 15 Minuten erledigen kann, eigentlich soll man- vor allem nach Meinung der Grünen- gar kein Auto mehr besitzen (müssen), also müssen Stadien sich auch in der Stadt befinden und nicht auf einer grünen Wiese an einer Autobahn. Die Stadien der Zukunft mögen also wie die Alten wieder in der Stadt gebaut werden, wer weiß. Entsprechende Änderungen des Baurechts natürlich vorausgesetzt. Hier wird sich dann zeigen welche Politiker logisch denken können und welche nicht ;-)

Im Stadion selbst begaben sich Toto und CK zum eigentlichen Auswärtsblock, ganz links auf der Haupttribüne, in dem Joey und Batty bereits anzutreffen waren. Zum Entsetzen aller Luxemburger blieb dieser Block jedoch nicht den Anhängern der "roten Löwen" vorenthalten. Anfangs sah es zunächst noch danach aus und eine Handvoll Polizisten versperrte Bosniern den Eintritt. Doch dabei blieb es nicht und bis auf die ersten zwei Reihen füllte sich der Block schnell mit Einheimischen. Batty beschwerte sich daraufhin per Email bei der FLF. CK gab ihm eigentlich recht, musste jedoch nach dem Spiel zugeben, dass eine Fantrennung in der Tat gottseidank nicht vonnöten gewesen war. Es blieb alles friedlich und nach dem Spiel klatschten viele Bosnier sogar für die Luxemburger Fans und Spieler. Einige wollten gar T-Shirts und Flaggen tauschen, womit Toto sich nun eine neue Luxemburger Handelsflagge zulegen muss, da er seine gegen eine bosnische Flagge tauschte. Auch wurden Fotos mit gegnerischen Fans geschossen.

Zum Spiel: vor 9 517 Zuschauern lief alles für Luxemburg und gegen Bosnien-Herzegowina. Schon in der vierten Minute nutzte Borges Sanchez einen Abwehrfehler zur frühen Führung aus. In der Folge standen die Gäste hinten sehr gut und ließen wenig Torchancen zu. Nur bei zwei Kopfbällen war Bosnien wirklich gefährlich. Nach der Pause verpasste Leandro Barreiro nach einem weiteren Abwehrschnitzer das vorzeitige 0-2. In der 54ten Minute hielt Florian Bohnert Edin Dzeko am Trikot fest und es gab leider Elfmeter dank VAR. Weder Pjanic noch Dzeko traten jedoch an, stattdessen drosch ein gewisser Hadziahmetovic zum Jubel der vielleicht sechszehn Luxemburger Fans den Ball in den Himmel von Zenica. In der 74ten Minute erhöhte Sinani nach einem weiteren Bock der bosnischen Defensive auf 0-2. Einfach nur geil! Inklusive einer Nachspielzeit von neun Minuten musste noch eine Zeitlang gezittert werden, bevor endlich der erste Sieg überhaupt in einem Spiel gegen Bosnien-Herzegowina eingefahren war. Gegen Ende der regulären Spielzeit supporteten fast alle Luxemburger Fans oberkörperfrei. Nur Guy, Sandra und Toto verweigerten sich dem Blankziehen. Selbst CK stand nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder oben ohne im Fanblock. Die Idee ging von einer Fangruppe aus dem Norden um Christian Jans (dem Bruder von Laurent Jans) aus. Jene Gruppe hatten Sandra und Guy wohl bereits im Steakhouse am Vorabend getroffen. Sie hatten einen Luxemburger mit bosnischen Wurzeln und seinen Vater dabei und gastierten wohl bei deren Familienmitgliedern. Die Stimmung bei den wenigen mitgereisten Luxemburgern war auf jeden Fall fantastisch und eine Humba mit den Spielern nach Abpfiff war natürlich auch noch drin :-)

Nach Verlassen des Stadions begab die Fansektion aus dem Norden sich zusammen mit Fränk auf die Terrasse einer Kneipe gegenüber. Später sollten sie noch zum Spielerhotel aufbrechen um mit der Mannschaft zusammen zu feiern. Unsere Protagonisten hingegen zogen es vor sich zurück zu ihrem Hotel zu begeben und dort den Abend in Ruhe bei ein paar Kaltgetränken ausklingen zu lassen. CK kaufte sich an einem Stand noch ein Bier für unterwegs. Steve K. rief Toto aus Luxemburg an und war ebenfalls begeistert. Der Traum von der Euro lebte mehr denn je. In der Hotelbar trank CK noch zwei Bier und eine Cola, bevor er später glücklich ins Bett fiel.

Am Mittwoch ging es in Eminas Auto zum Park Vrelo Bosne an der Bosnaquelle. Hier kann man die Natur genießen, picknicken oder einfach nur an Teichen und Bächen mit Enten und Schwänen, teilweise über Brücken, vorbeischlendern. Sehr schöner Ort! :-) Ca. eine Stunde verbrachten die Luxemburger hier. Im Anschluss ging es zum Flughafen wo sich unsere Helden von ihrer Gastgeberin trennten. Am Flughafen war auch die Reisegruppe um Christian Jans anzutreffen, die noch nach Belgrad weiterflog. Toto kaufte ordentlich Zigaretten ein und profitierte von Sandra und CK als (zollfreie) Mit-"Importeure". Für unsere Gruppe ging es in der Folge mit Austrian Airlines und Luxair über Wien zurück nach Luxemburg. Leider hatten unsere Helden in Wien einen längeren Aufenthalt von über fünf Stunden. Guy und Sandra nutzen die Zeit um noch schnell zum Prater zu fahren und dort beim Riesenrad zu speisen. Toto und CK genehmigten sich hingegen leckeres Rindsgulasch mit Serviettenknödel in einem Restaurant von Wolfgang Puck am Wiener Flughafen. Später ging es durch die Handgepäckkontrolle zurück in den Abflugbereich. Im Duty Free kaufte CK noch Mozartkugeln ein. In Luxemburg angekommen, wurde Toto von seiner Mutter abgeholt, Sandra fuhr ihrerseits Guy und CK nach Hause. So endete eine richtig geile Auswärtsfahrt, die einfach nichts zu wünschen übrig ließ. In dem Sinne: bis zum nächsten Mal, liebe Leser, gez. euer CK.

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